Neuerscheinung: Gender & Genre. Der Sammelband.

Es muss irgendwann im Frühsommer 2014 gewesen sein, als Urania Milevski, Paul Reszke und mir die Idee kam, eine interdisziplinäre Ringvorlesung an der Universität Kassel zu Veranstalten. Gegenstand der Ringvorlesung sollten moderne oder noch immer populäre TV-Serien sein, die wir mit einer kulturwissenschaftlichen und vor allem geschlechtertheoretischen Perspektive analysieren wollten. Die Reihe bekam den Namen »Gender & Genre« verpasst und ganz im akademischen Sinne einen weniger schmissigen Untertitel beigefügt: »Populäre Serialität zwischen kritischer Rezeption und geschlechtertheoretischer Reflexion«.

Dass es nicht bei 978-3-8260-6057-1einer einfachen Idee von vielen blieb, liegt vermutlich vor allem an zahlreichen Kolleginnen und Kollegen, die begeistert zusagten, oder zumindest ihre Teilnahme als Gäste versprachen. Erstaunlich schnell war ein Programm für das Wintersemester zusammengestellt, die Finanzierung für Gastvorträge und Werbung gesichert. Martin Böhnert, der nie als Teil des Organisationsteams genannt werden wollte, aber als Freund und Kollege von Anfang an dabei war, gestaltete wunderbare Plakate. Für jeden der zehn Vorträge eines, durchnummeriert wie die Folgen einer Serie und je mit einem zentralen, häufig provoaktiven Zitat aus der Rede versehen. Es ist alles andere als unwahrscheinlich, dass er damit großen Anteil hat an dem, was dann passierte …
Die Ringvorlesung wurde ein großer Erfolg. Obwohl man bei uns keine Prüfung ablegen oder Credit Points erwerben konnte, es keine Anwesenheitspflicht gab oder es sich irgendwer auf einen offiziellen Schein schreiben konnte, war das Haus voll. Und fast noch schöner war: Einer unserer Pläne ging auf. Denn indem jede Sitzung in einen Vortrag, der mit einer These endete, in einen Teil des gemeinsamen Sehens und einen Diskussionsteil dreigeteilt wurde, konnte sich jeder beteiligen und es beteiligten sich zwar nicht alle, aber doch sehr viele. Studierende diskutierten mit den Vortragen, zunehmend aber auch miteinander, und über die universitären Statusgruppen hinweg mit Professorinnen und Professoren, Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern. Wir hatten offensichtlich einen Nerv getroffen.
Im Wintersemester 2015/2016 führten wir das Projekt fort. Die zweite Staffel umfasste erneut zehn Vorträge. Zudem veranstaltete Urania Milevski ein ergänzendes Seminar. Spätestens hier wurden Stimmen laut, dass aus den zwei Ringvorlesungen ein Sammelband hervorgehen sollte. Dafür nahmen wir uns Zeit, luden die Vortragenden ebenso dazu ein wie auch ausgewählte Studierende, die im Rahmen des Seminars bereits beachtliche Analysen verfasst oder sich die Ringvorlesungen maßgeblich mitgetragen hatten.
Dieser Sammelband ist nun erschienen. Ein ziemlicher Brocken ist er geworden, war definitiv nicht wenig Arbeit von vielen Köpfen und helfenden Händen, aber trägt hoffentlich ebenso viel Leidenschaft in sich wie die Vortragenden und Diskutierenden in unserer Ringvorlesung, so viel wissenschaftliche Ruhe und analytisches Geschick. Ich  jedenfalls bin ausgesprochen zufrieden damit und hoffe, dass es alle daran Beteiligten und alle Leserinnen und Leser ebenso empfinden.
Abschließend kann ich mich nur bei allen Bedanken, die dieses Projekt mit uns begonnen haben, es trugen, uns weiter motivierten und zu Fortsetzungen drängen.
Die dritte Staffel der Ringvorlesung ist übrigens mit zehn weiteren Vorträgen im letzten Winter über die Bühne gegangen und, obwohl wir beschlossen haben, erstmal eine kleine Pause einzulegen und darauf zu warten, dass weitere untersuchenswerte Serien produziert werden, bin ich mir sicher, dass Gender & Genre noch lange nicht zu Ruhe kommen wird. Wann und in welcher Form, das wird sich noch zeigen.

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Gender & Genre
Populäre Serialität zwischen kritischer Rezeption und geschlechtertheoretischer Reflexion
Hrsg. von Urania Milevski, Paul Reszke, Felix Woitkowski
Reihe: Film – Medium – Diskurs, Bd. 79
Verlag: Königshausen & Neumann
ISBN: 978-3-8260-6057-1
Erscheinungsjahr: 2018

 

 

Ein übersichtlicher Überblick über alle Beiträge findet sich online am besten hier auf den Seiten der Deutschen Nationalbibliothek (Link). Der Sammelband ist wie viele wissenschaftliche Publikationen defintiv nicht billg (58 Euro), dürfte aber mittlerweile auch in jeder gut sortierten (Universitäts-)Bibliothek zu finden sein.

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Gastvortrag von Felix Römer

© Foto by Martin Rupert

Am kommenden Montag (18.6., 10-12 Uhr) ist der Dichter, Poetry Slammer, Moderator und Workshopleiter Felix Römer in meinem Seminar „Es war eine dunkle und sürmische Nacht. Kreative Schreibansätze im Fach Deutsch“ an der Universität zu Gast. Er wird zu dem Thema „Niederschwellige Einstiege in kreative Schreibprozesse durch Slam Poetry“ sprechen und sich unseren Fragen stellen. Ich freue mich wirklich sehr darauf, einen so umtriebigen Menschen und Spracharbeiter begrüßen zu dürfen. Verschiedene Videos von seinen zahlreichen Bühnenauftritten sind hinter dem Link versteckt, viele mehr noch auf Youtube zu finden. Gäste sind am Montag natürlich herzlich willkommen.

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Neuerscheinung: Die Scharade von Marienbad

xCoverDampfueberEuropa.jpg.pagespeed.ic.lXMHJmthg6Als 2010 die Anthologie „Von Feuer und Dampf“ erschien, war „Steampunk“ noch kaum ein Begriff in der hiesigen Literaturwelt. Die Anthologie, die wir damals im Forum der Geschichtenweber auf die Beine stellten, war zumindest unserem Gefühl und Selbtsverständnis nach (ganz sicher war ich mir nie) der erste Versuch, Steampunk auch in deutschsprachigen Regionen und vor allem Großstädten anzusiedeln. „Von Feuer und Dampf“ war so erfolgreich, dass es zu einer zweiten Auflage kam.

Folgerichtig war wohl niemand überrascht, als Herausgeber Stefan Cernohuby, diesmal in Kooperation mit dem mindestens ebenso umtriebigen Gerd Scherm, uns Autorinnen und Autoren ansprach, ob wir Interesse an einer Fortsetzung hätten. Gerne habe ich zugesagt, denn die Anfrage bot nicht nur die Möglichkeit, in ein mir liebgewonnenes literarisches Universum zurückzukehren, sondern auch, mit Sören Prescher das erste Mal eine Geschichte gemeinsam zu verfassen. Die Idee dazu stand schon länger im Raum, nachdem wir uns schon ein paar Jahren einmal persönlich auf dem BuchmesseCon in Dreieich kennengelernt hatten.

Unter dem Titel „Dampf über Europa“ erscheint der Sammelband jetzt im Arcanum Fantasy Verlag, der mittlerweile zu Saphir im Stahl gehört. Enthalten ist darin neben vielen anderen auch die Agentengeschichte „Die Scharade von Marienbad“, deren Autorenduo sich hinter dem Pseudonym Preschkowski versteckt. Der Klappentext des Buches lautet:

Was wäre, wenn sich die Welt ab dem Jahr 1914 völlig anders entwickeln würde, als uns die Geschichtsbücher lehren? Wenn gewaltige Differenzmaschinen die Geschicke des ersten Weltkriegs mitbestimmen, Agenten überalle in Europa auf der Jagd nach Erfindungen sind und in so mancher Brust ein Dampfherz schlägt?
Zehn Autoren ermöglichen Einblicke in eine Welt, die sich nicht nur im Umbruch befindet, sondern ganz im zeichen des Steampunks und seiner technischen Möglichkeiten steht. Sie erzählen Geschichten, die kurz vor, während und nach dem 1. Weltkrieg angesiedelt sind und sich zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügen. „Dampf über Europa“ knüpft an die Welt der Steampunk-Anthologie „Von Feuer und Dampf“ (1899) an.

 

„Dampf über Europa“ erscheint am 01.05.2018 und kann ganz normal über den Buchhandel bezogen werden. Dort kostet die Anthologie 14,95 Euro. Wer es allerdings noch bis zum 30.04.2018 per Mail (info[at]saphir-im-stahl[dot]de) bestellt, erhält das Buch zum Subskriptionspreis von 11 Euro.

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Präsentieren im Dienste der Wissenschaft

https://pbs.twimg.com/media/DXmMa76WsAAaZlG.jpgIch promoviere zu softwaregestützten Präsentationen, die Schülerinnen und Schüler  der Oberstufe gemeinsam in Zweiergruppen vorbereiten und durchführen, also eigentlich zu dem, was man üblicherweise Referat mit PowerPoint nennt. Teile aus diesem Projekt habe ich vor (schon) zwei Wochen auf der kleinen, reichhaltigen Tagung „Pragmatik und (Sprach-)Didaktik“ der Arbeitsgemeinschaft Linguistische Pragmatik e.V. vorgestellt und im Anschluss sehr anregende Gespräche geführt. Das war schon der dritte von vermutlich fünf Vorträgen, die ich dieses Jahr zum Präsentieren in der Schule halten werde. Eine genaue Auflistung und rechtzeitige Ankündigungen gibt es wie immer im Bereich „Forschung“ dieser Seite.

Im Zusammenhang mit dem softwaregestützten Präsentieren steht außerdem einem  Aufsatz von mir, der gerade frisch erscheinen ist. Darin nähere ich mich dem Gegenstand mal linguistisch und nicht sprachdidaktisch und lege den Schwerpunkt auf sogennante „Bullet-Points“ oder auch „51-dxjix2rl-_sx350_bo1204203200_Aufzählungszeichen“, wie der Duden sie in manchen Ausgaben nennt. Der Beitragstitel lautet vollständig: „Wenn Bullet-Points töten. Linguistische Replik auf die Boshaftigkeit der Powerpoint-Präsentation.“ Erschienen ist der Aufsaz in dem Tagungsband „Interpunktion im Spannungsfeld zwischen Norm und stilistischer Freiheit. Literaturwissenschaftliche, sprachdidaktische und linguistische Perspektiven“ (Peter Lang, 254 S.), herausgegeben von Kristin George, Miriam Langlotz, Urania Milevski und Katharina Siedschlag. Ich freue mich sehr darüber.

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Neuerscheinung: Kleines Kasseler Literatur-Lexikon

kasseler_grWie die Herausgeberin Nikola Roßbach heute per E-Mail verkündete, ist ihr „Kleines Kasseler Literatur-Lexikon“ soeben im Wehrhahn-Verlag erschienen. Es ist wahrscheinlich schon mehr als zwei Jahre her, dass Nikola Roßbach, Professorin für Literaturwissenschaft und eine Kollegin von mir am Institut für Germanistik der Universität Kassel, den ganzen Fachbereich um Mitarbeit bat. Sie selbst hat erstaunliche 213 Artikel für das Buch über Kassel als Literaturstadt verfasst, ich steuere lediglich einen einzigen zu dem Abenteuerschriftsteller Frédéric Armand Strubberg (1806-1889) bei. Das war aber eine besondere Freude, weil ich so auf einen sehr umtriebigen, verschlagenen Kerl stieß, bei dem bis heute niemand weiß, was er wirklich erlebt und was erdichtet hat.

Der Verlag schreibt über das mit 900 Seiten alles andere als kleine Lexikon:

Kassel ist eine Literaturstadt. Dieses Lexikon zeigt in mehr als 450 Artikeln, wer hier Literatur machte und macht, vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Weltberühmte Autorinnen und Autoren stehen neben unbekannten und vergessenen. Kassel ist ihr Geburts- oder Sterbeort, ihre Wirkstätte, ihr ständiger oder vorübergehender Wohnsitz.

Vorgelegt wird ein regionales Lexikon, in dem sich dennoch die ganze Welt der Literatur spiegelt: Der Bogen spannt sich von mittelalterlicher Legende, frühneuzeitlichen Kompilationen und Predigten über aufklärerische Robinsonaden, klassizistische Lyrik, romantische Schauerromane, realistische Erzählungen bis hin zu modernen Frauenromanen, Kriegs- und Antikriegstexten, Pop- und Kriminalliteratur, interkultureller und Reiseessayistik – und damit ist das Spektrum der Textgenres noch nicht abgedeckt. Es gilt also Kassels Literatur in ihrer Breite und Komplexität zu entdecken. Und das nicht nur über beschreibende Personenporträts, sondern auch über direkte Einblicke in die Literatur: Werkzitate laden zum Kennenlernen und Weiterlesen ein.

„Nun Cassel ist der Stoltz von uns Deutschen im Kleinen, wie Paris der Stoltz der Franzosen im Grossen“. Sicher würde man diesem denkwürdigen Satz heute kaum mehr zustimmen, den der Göttinger Gelehrte August Ludwig von Schlözer 1781 dem in Kassel wirkenden Bibliothekar und Dichter Andréa de Nerciat schrieb. Die ehemals glanzvolle nordhessische Residenz ist, von Kriegen und Krisen geprägt, sperriger geworden, komplexer. Unverwechselbar in der Reihe der mittelgroßen deutschen Städte ist Kassel (bis) heute allemal: als Grimm-Heimat, documenta-Stadt, Weltkulturerbe, Energietechnik-Standort – und Literaturstadt.

Knapp 100 Kennerinnen und Kenner der Kasseler Literatur- und Kulturgeschichte haben zum Lexikon beigetragen. Die Herausgeberin forscht und lehrt neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Kassel.

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Rezensionen: Das Gespensterbuch

gespensterbuch-2_cover_webDie Neuflage der sieben Gespensterbücher von August Apel und Friedrich Laun in drei neuen Bänden ist Anfang des Jahres abgeschlossen. Zu einem Radiofeature auf Bayern 2 (Link), auf das ich schon hingewiesen habe, gesellen sich mittlerweile erste Rezensionen.

In der aktuellen Ausgabe ihrer Zeitschrift „Cthulhu Libria Neo“ widmen Eric Hantsch und Jörg Kledugen den drei Bänden, die sie als einen „unversichtbare[n] Markstein“ der deutschen Phantastik und als „unterhaltsames, literarisches Dokument“ bezeichnen, mehr als eine ganze Seite.  Dabei geben sie, wie ich als Herausgeber finde, einen wirklich treffenden Einblick in die Themen und Stimmungen der einzelnen Geschichten. Unterem anderem bemerken sie:

Ungewohnt dabei ist sicherlich die weit ausholende Erzählweise, die dem heutigen Publikum geradezu verschwenderisch erscheinen muss und nahelegt, dass der frühere Leser viel (mehr) Zeit hatte, solche Erzählungen zu genießen. „Das Gespensterbuch“ zu lesen, bedeutet also viel Muße mitzubringen. Wer sich jedoch diese Zeit nimmt, wird mit vielen erquicklichen Eindrücken belohnt, und kann nebenbei auch ein Stück Geschichte der deutschen Phantastik nachvolziehen.

Erik Schreiber hat sich in seinem Bücherbrief die zweiten Band der Neuauflage vorgenommen. Er kommt zu dem für mich erfreulichen Schluss:

Mit der Neuveröffentlichung des Gespensterbuches, liegt dem interessierten Leser ein wundervoller Band in der Hand. Der Vielleser erkennt sofort die Wurzeln der aktuellen phantastischen Literatur, die sich nicht nur auf die Gruselromane, sondern auch auf Krimis, Fantasy und anderes auswirkte.

Ich freue mich wirklich, dass die Bücher mittlerweile nicht nur wahrgenommen werden, sondern trotz ihres Alters offenbar noch immer gefallen können. Das ist alles andere als selbstverständlich und zeigt mir einmal mehr, das sich die Arbeit an der Neuauflage gelohnt hat.

Wessen Interesse jetzt geweckt ist: Die Neuauflage in drei Bänden gibt es als eBook praktisch überall. Als Taschenbuch können sie hingegen nur direkt beim Blitz Verlag bestellt werden.

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Diskussion in der Filmreihe: Geschlechterordnungen in totalen Institutionen (Universität Kassel)

Auch Prof. Dr. Mechthild Bereswill, Dr. Anke Neuber und Murat Sezi, setzen an der Universität Kassel  dieses Wintersemester ihre Filmreihe „Gender und Essentialismus im Film“ fort. Unter dem Titel „Geschlechterordnungen in totalen Institutionen“ werden in diesem Sommersemester erneut drei Filme gemeinsam rezipiert und diskutiert. Diesmal geht es um „Vier Minuten“ (2006), „Girl, Interrupted“ (1999) und „Colonia Dignidad“ (2015) Als Diskutanten sind Magdalena und ich zum ersten Film gelaen. Die Veranstaltung findet am nächsten Dienstag um 18 Uhr im Hörsaal 400 (Mönchebergstraße 7) statt.

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