Neuerscheinung: Das Gespensterbuch (1/3) von August Apel und Friedrich Laun)

Gespenstisch, mythisch, phantastisch. Im Geiste der Schwarzen Romantik schreiben August Apel und Friedrich Laun von 1810 bis 1817 deutsche Schauergeschichte. Im Gespensterbuch erzählen sie von Totgesagten und Wiederkehrern, von Aufklärern und Abergläubigen, von Liebesschwüren und Teufelspakten und lehren damit Europa das Grauen.
Die populärste deutschsprachige Sammlung von Geister- und Spukgeschichten des 19. Jahrhunderts in der ersten vollständigen Neuausgabe.

So steht es auf der Rückseite eines Buches, das gerade im Blitz-Verlag erschienen ist. Es handelt sich dabei um den ersten von drei Bänden voller Schauer- und Gruselgeschichten. Auch Kunstmärchen und Sagen, Dramen und Gedichte finden sich darin – die ganze Bandbreite der Formen und Motiven der schwarzen Romantik und den Anfängen der Horrorliteratur.Gespensterbuecher
Zu dem Buch bin ich vor über drei Jahren gekommen. Ich hatte mit »Reise eines Erdbewohners in den Mars« von Carl Ignaz Geiger das erste eBook meiner Edition Murr veröffentlicht und die erste und einzige (Amazon-)Rezension dazu erhalten. Sie endete auf mit dem Vorschlag für einen fast vergessenen Klassiker, von dem ich bis dahin nichts gehört hatte:

Wie wärs mal mit Apel und Launs Gespensterbuch als Pionierwerk fantastischen Erzählens im ebook? Hat bisher noch keiner gemacht.

Zu der Rezension gesellte sich ein Kommentar, der nicht nur reine eBook-Neuauflagen in Frage stellte, sondern sich ebenfalls auf dieses »Gespensterbuch« bezog:

Von einem Bibliomanen zum anderen! Ich finde es äußerst löblich, »vergessene Klassiker« ans Licht der gegenwärtigen Öffentlichkeit zu bringen, doch bin ich ein Liebhaber echter Bücher aus Papier! Bibliophilie (und -manie erst recht) ist in meinen Augen nicht mit ebooks vereinbar! Und gerade die Gespensterbücher von Apel und Laun, die heute leider Gottes tatsächlich als vergessen gelten können, haben besseres verdient, als nur eine Computerdatei zu sein. Nehmen Sie, Herr Woitkowski, das bitte nicht als Geringschätzung Ihrer Arbeit. Ihr Anliegen an sich finde ich sehr unterstützenswert! Doch auf die Frage »Lieber garnicht lesen, als auf einem ebook-reader?« weiß ich tatsächlich keine Antwort! Auch ich habe gleich mehrere Titel im Kopf, die ich Ihnen gerne zur Neuveröffentlichung vorschlagen würde, aber nicht im elektronischen Format!
Dennoch einen netten Gruß an Sie beide, in der Hoffnung, dass Sie meine Meinung mir nicht übel nehmen!

Es musste wohl etwas an dem Werk sein. Also begann ich zu recherchieren, fand nicht nur eine (wie ich heute weiß, fehlherhafte) Wikipedia-Seite, sondern überall verstreute Hinweise auf dieses »Gespensterbuch«. Ich besorgte mir eine Auswahl der Geschichten, die im Insel-Verlag erschienen war, las mich ein – war sofort gefesselt. Ich suchte nach den wenigen literaturwissenschaftlichen Publikationen dazu – meine Begeisterung stieg. Also begann ich, den ersten Band (von sieben, wie ich heute weiß) zu digitalisieren, schrieb ein Nachwort und publizierte ihn in meiner Edition Murr als eBook. Kaum war er veröffentlicht, gab es ohne nennenswerte Werbung die ersten Käufer. Doch beinahe ebenso schnell meldete sich mit Markus K. Korb auch jemand bei mir, der wie wenige  andere als Autor und Rezensent die dunkle Phantastik in Deutschland hochhält. Er war ganz begeistert von der Neuauflage, legte mir aber ebenfalls ans Herz, es nicht bei einem eBook zu belassen. Damit rannte er bei mir nicht nur offene Türen ein, sondern stellte auch den Kontakt zum Blitz Verlag her, in dem das Buch nun erschienen ist. Selbstredend war deshalb Markus dafür prädestiniert, das einleitende Vorwort für die Buchpublikation zu schrieben, was er gerne und erstaunlich schnell tat.
Mit dem Buch selbst dauerte es deutlich länger, denn mit meinem Verleger Jörg Kaegelmann (Wenn wir es machen, dann richtig und vollständig …) einigte ich mich nicht nur auf eine Gesamtausgabe – damals dachte ich noch, es hätte lediglich vier Bände, nicht sieben, des ursprünglichen Gespensterbuches gegeben –, sondern wir entschieden uns auch für eine Leseausgabe, die behutsam in Rechtschreibung und Zeichensetzung an die aktuellen Lesegewohnheiten angepasst werden sollte. Ich begann also erneut, eine nunmehr steigende Anzahl an Bänden zu digitalisieren. Wegen schlechter Vorlagen musste ich an die Originale heran, die ich in den versteckteren Lesesälen der Universitäts- und Landesbibliothek Münster und der Murhardschen Bibliothek der Stadt Kassel unter Aufsicht einsehen durfte. Bei einem zweiten, dritten, wiederholten Durchgang nahm ich zögerlich die Veränderungen in Rechtschreibung und Zeichensetzung vor. Um das Verständnis des Textes weiter zu verbessert, hatte ich die Idee, erklärende Fußnoten einzufügen. Daraus wurden schließlich über dreihundert Erklärungen von Wörtern, intertextuellen Verweisen, historischen Persönlichkeiten und Ereignissen, der nordischen und griechischen Mythologie … Weil der Text der ursprünglich sieben Bände zu umfangreich für ein Taschenbuch geworden war, splitteten wir ihn schließlich in drei Bände auf. Band 1 ist nun mit dem Vorwort von Markus K. Korb erscheinen. Band 2, der ein Nachwort der Literaturwissenschaftlerin Urania Milevski enthält, hat das abschließende Korrektorat durchlaufen und wartet den Schriftsetzer. Band 3 soll, wenn alles gut geht, im Herbst die »Gespensterbuch«-Trilogie beschließen. Das abschließende Nachwort darin habe ich für mich reserviert  – man mag es mir verübeln.
Die dreibändige Neuauflage der Gespensterbücher ist das größte editorische Projekt, das ich angestoßen und durchgeführt habe. Auch wenn noch Arbeit auf mich wartet, bis der letzte Band erscheinen kann, bin ich doch jetzt schon unglaublich froh, den ersten Band in Händen halten zu können. Jörg Kaegelmann hat mit viel Ruhe aus einer Datei ein Buch gemacht und Mark Freier ihm ein  kongeniales, wunderbares Cover geschenkt, das ich einfach jedem zeigen möchte, der nicht schnell genug wegaufen kann. So ist das halt mit dem Grauen … Einmal gepackt, lässt es dich nicht mehr los.

Gespensterbuch1

Das Gespensterbuch. Band 1. Von Freischütz bis Zauberlied.
Herausgegeben und verfasst von August Apel und Friedrich Laun
Neu herausgegeben von Felix Woitkowski
Taschenbuch, 400 Seiten, 12,95€ (exkl. bei Blitz)
eBook, 3399 KB, 4,99€ (überall!)
Leseprobe

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3 Antworten zu Neuerscheinung: Das Gespensterbuch (1/3) von August Apel und Friedrich Laun)

  1. lapismont schreibt:

    Freut mich sehr!

  2. Pingback: Wieder aufgelegt: Der Schauerliteratur-Klassiker DAS GESPENSTERBUCH - PhantaNews

  3. Pingback: Grabkammer, du mein Brautgemach! « Montbron

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